Abi - was jetzt?


Monatelang gab es eigentlich nur ein Ziel: Abi schaffen.
Klausuren schreiben, Punkte ausrechnen, fürs Abi lernen, Prüfungen überstehen – und dann ist es plötzlich vorbei. Kein Stundenplan mehr, keine Hausaufgaben und niemand, der euch sagt, wo ihr Montagmorgen um 8 Uhr sein müsst.
Klingt erstmal ziemlich gut. Gleichzeitig kommt spätestens jetzt die Frage, die wahrscheinlich jede Abiturientin und jeder Abiturient schon hundertmal gehört hat:
„Und, was machst du jetzt nach dem Abi?“
Studium? Ausbildung? Reisen? FSJ? Erstmal arbeiten? Oder absolut keine Ahnung?
Keine Panik: Ihr müsst nach dem Abi nicht sofort euren kompletten Lebensplan kennen. Wir zeigen euch, welche Möglichkeiten ihr habt – und wie ihr herausfinden könnt, was zu euch passt.

Ab ins Ausland
Nach zwölf oder dreizehn Jahren Schule erstmal raus?
Das ist eine gute Idee, die viele Abiturient*innen machen.
Nach dem Abi könnt ihr beispielsweise:
• Work & Travel machen
• als Au-pair arbeiten
• einen Freiwilligendienst im Ausland absolvieren
• eine Sprachreise machen
• im Ausland jobben
• oder auch einfach nur reisen oder backpacken
Ein Auslandsaufenthalt bedeutet nicht nur Strand, Sonnenuntergänge und perfekte Instagram-Bilder. Ihr müsst euch plötzlich selbst organisieren, mit ungewohnten Situationen klarkommen und vielleicht in einer anderen Sprache kommunizieren. Genau das kann aber eine ziemlich wertvolle Erfahrung sein.
Die meisten berichten, dass Ihnen die Zeit im Ausland nicht nur super viel Spaß gemacht hat, sondern dass man sich vorallem selbst nochmal ganz anders kennengelernt hat. Man wird selbstständiger und hat auch nochmal ordentlich Zeit zu überlegen, was man in seinem Leben alles machen möchte. Falls Ihr also noch nicht wisst, welchen berufliche Laufbahn ihr einschlagen wollte, dann ist das vielleicht die perfekte Alternative :)

Direkt studieren
Für viele geht es nach dem Abi an die Uni oder Hochschule.
Vielleicht wisst ihr schon seit Jahren, dass ihr Medizin, Jura, BWL oder Lehramt studieren wollt. Dann könnt ihr euch direkt über Studiengänge, Hochschulen und Bewerbungsfristen informieren.
Wenn ihr noch unsicher seid, lohnt es sich, nicht nur nach dem Namen eines Studiengangs zu entscheiden. Schaut euch vor allem die konkreten Module und Inhalte an.
Denn hinter einem Studiengang steckt manchmal etwas ganz anderes, als man zunächst erwartet.
Hilfreiche Fragen sind:
• Welche Themen interessieren mich wirklich?
• Arbeite ich lieber praktisch oder theoretisch?
• Welche Schulfächer liegen mir?
• Welche Berufe kann ich später mit dem Studium ausüben?
• Möchte ich für mein Studium umziehen?
• Universität, Hochschule oder duales Studium?
Besucht außerdem Tage der offenen Tür, schaut euch Hochschulen an oder sprecht mit Studierenden.

Duales Studium - Studim & Beruf in Kombi
Ihr möchtet studieren, aber gleichzeitig praktische Erfahrung sammeln?
Dann könnte ein duales Studium interessant sein.
Dabei kombiniert ihr ein Studium mit längeren Praxisphasen in einem Unternehmen. In vielen Modellen bekommt ihr währenddessen bereits ein Gehalt.
Das klingt erstmal ziemlich perfekt – bringt aber auch einen volleren Zeitplan mit sich. Semesterferien wie bei einem klassischen Studium gibt es häufig nicht in derselben Form.
Ein duales Studium eignet sich deshalb besonders für euch, wenn ihr strukturiert arbeitet und Theorie direkt praktisch anwenden möchtet.
Wichtig: Informiert euch früh. Viele Unternehmen vergeben ihre dualen Studienplätze bereits lange vor dem eigentlichen Studienstart.

Ausbildung - direkt in die Praxis
Abi bedeutet nicht automatisch Studium.
Mit einer Ausbildung startet ihr direkt ins Berufsleben, sammelt praktische Erfahrung und verdient von Anfang an eigenes Geld.
Und die Auswahl ist riesig: kaufmännische Berufe, Medien, IT, Handwerk, Verwaltung, Gesundheit und viele weitere Bereiche.
Auch mit Abitur kann eine Ausbildung ein sinnvoller Weg sein – gerade dann, wenn euch praktische Arbeit deutlich mehr liegt als weitere Jahre voller Vorlesungen und Prüfungen.
Und ein Studium danach? Ist natürlich trotzdem noch möglich.

FSJ, FÖJ oder Bundesfreiwilligendienst
Ihr möchtet nach der Schule etwas Sinnvolles machen, praktische Erfahrungen sammeln und euch gleichzeitig noch etwas Zeit für eure Zukunftsentscheidung geben?
Dann kann ein Freiwilligendienst passen.
Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) könnt ihr beispielsweise in sozialen Einrichtungen, Krankenhäusern, Schulen, Sportvereinen oder kulturellen Einrichtungen absolvieren.
Beim Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) liegt der Schwerpunkt dagegen auf Umwelt- und Naturschutz.
Daneben gibt es den Bundesfreiwilligendienst (BFD) mit vielen unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten.
Das kann besonders hilfreich sein, wenn ihr herausfinden möchtet, ob ein bestimmter Beruf wirklich zu euch passt.

Gap Year - erstmal ein Jahr Pause?
Ein Gap Year hat manchmal noch den Ruf von: „Ich weiß nicht, was ich machen soll, also mache ich erstmal nichts.“
Dabei kann ein bewusst geplantes Jahr zwischen Schule und Studium oder Ausbildung unglaublich sinnvoll sein.
Ihr könnt verschiedene Dinge miteinander kombinieren:
3 Monate arbeiten → 3 Monate reisen → Praktikum → Studienstart
Oder:
FSJ → Reisen → Studium
Ein Gap Year muss also keineswegs bedeuten, zwölf Monate auf dem Sofa zu verbringen.
Die entscheidende Frage ist: Was möchtet ihr aus diesem Jahr mitnehmen?

Praktikum - erstmal ausprobieren
Vielleicht schwankt ihr zwischen verschiedenen Berufsrichtungen.
Dann müsst ihr euch nicht ausschließlich durch Studiengangsbeschreibungen klicken – probiert es aus.
Ein Praktikum kann euch ziemlich schnell zeigen, ob eure Vorstellung von einem Beruf überhaupt der Realität entspricht.
Vielleicht stellt ihr fest:
„Genau das möchte ich später machen.“
Oder eben:
„Auf gar keinen Fall.“
Beides hilft euch weiter.
Gerade ein längeres Praktikum nach dem Abi gibt euch außerdem die Möglichkeit, Aufgaben zu übernehmen, für die während eines zweiwöchigen Schülerpraktikums häufig kaum Zeit bleibt.

Erstmal arbeiten und Geld verdienen
Nach dem Abi zu arbeiten kann ebenfalls sinnvoll sein – besonders, wenn ihr danach reisen, ausziehen oder euch ein finanzielles Polster für das Studium aufbauen möchtet.
Gastronomie, Einzelhandel, Bürojobs, Ferienjobs oder Tätigkeiten bei Unternehmen bieten euch die Möglichkeit, einige Monate Geld zu verdienen.
Vielleicht findet ihr sogar einen Job in einem Bereich, der euch beruflich interessiert. Dann verdient ihr nicht nur Geld, sondern sammelt gleichzeitig erste relevante Berufserfahrung.

„Aber alle anderen wissen schon, was sie machen wollen…"
Nach dem Abi passiert etwas Merkwürdiges.
Eine Person hat bereits seit Monaten ihren Studienplatz. Die nächste zieht für ein duales Studium nach München. Jemand fliegt nach Australien und auf Instagram sieht es plötzlich so aus, als hätten alle außer euch einen perfekten Plan.
Spoiler: Haben sie meistens nicht.
Auch Menschen, die direkt ein Studium beginnen, können nach zwei Semestern abbrechen. Aus einem geplanten Gap Year können neue Berufsideen entstehen. Eine Ausbildung kann plötzlich besser passen als das ursprünglich geplante Studium.
Ihr müsst euren Lebenslauf mit 18 oder 19 nicht bis zur Rente durchgeplant haben.

Keine Ahnung, was zu euch passt? Probiert diese Fragen
Wenn ihr gerade wirklich überhaupt keinen Plan habt, fangt nicht mit der Frage an:
„Welchen Beruf möchte ich für den Rest meines Lebens machen?“
Das ist ziemlich viel verlangt.
Fragt euch stattdessen:
Was interessiert mich?
Welche Themen beschäftigen mich auch außerhalb der Schule?
Was kann ich gut?
Organisieren? Schreiben? Rechnen? Mit Menschen arbeiten? Kreativ sein?
Wie möchte ich arbeiten?
Im Büro? Mit Menschen? Draußen? International? Selbstständig?
Was möchte ich auf keinen Fall?
Manchmal ist Ausschließen deutlich einfacher als Entscheiden.
Was würde ich ausprobieren, wenn ich mich heute noch nicht endgültig festlegen müsste?
Aus diesen Antworten ergibt sich vielleicht noch kein konkreter Beruf – aber zumindest eine Richtung.
Zudem gibt es online einige Tests und Quizzes die ihr machen könnt, um vielleicht ein bisschen besser herauszufinden, was zu euch passt.

Achtung: Bewerbungsfristen nicht verpassen!
Auch wenn ihr euch nach dem Abi erstmal eine Pause gönnen möchtet, solltet ihr wichtige Fristen im Blick behalten.
Bewerbungen für Studiengänge, duale Studienplätze, Ausbildungen, Freiwilligendienste oder Auslandsprogramme können teilweise schon Monate vorher starten.
Informiert euch deshalb lieber einmal zu früh als eine Woche zu spät.
Erstellt euch am besten eine kleine Übersicht mit:
Option – Bewerbungsfrist – benötigte Unterlagen – Plan B
Dann könnt ihr mehrere Möglichkeiten offenhalten, ohne irgendwann überrascht festzustellen, dass die Bewerbungsfrist bereits vorbei ist.

Plan A ist gut - Plan B trotzdem wichtig!
Ihr habt euren absoluten Wunschstudiengang gefunden? Perfekt.
Trotzdem lohnt sich ein Plan B.
Überlegt euch beispielsweise:
Plan A: Wunschstudium
Plan B: ähnlicher Studiengang an einer anderen Hochschule
Plan C: Gap Year + erneute Bewerbung
Ein Plan B bedeutet nicht, dass ihr nicht an euren Plan A glaubt. Er sorgt einfach dafür, dass nicht eure komplette Zukunft davon abhängt, ob eine einzige Bewerbung funktioniert.

Zurück
Zurück

Abibuchseiten Special: Kreative Ideen für die Abizeitung

Weiter
Weiter

Lehrersteckbriefe: Lustige Fragen und Ideen für eure Abizeitung