Vorwort für eure Abizeitung

Die erste Seite wird aufgeschlagen und da steht es: euer Vorwort.
Es ist der Einstieg in eure Abizeitung und damit das Erste, was Eltern, Lehrkräfte, Mitschülerinnen und Mitschüler lesen. Kein Wunder also, wenn ihr euch bei der Planung irgendwann fragt: Was schreibt man da eigentlich rein?
Soll es emotional sein? Lustig? Ein Rückblick auf die letzten Jahre? Und wie schafft man es, nicht bei den typischen „Ein Lebensabschnitt geht zu Ende“-Sätzen zu landen?
Keine Sorge: Ein gutes Vorwort muss weder besonders lang noch unglaublich poetisch sein. Viel wichtiger ist, dass es zu euch und eurem Jahrgang passt.
Wir zeigen euch, was in ein Vorwort gehört, wie ihr es aufbauen könnt und geben euch verschiedene Beispiele als Inspiration.

Was ist das Vorwort einer Abizeitung?
Das Vorwort steht meistens ziemlich weit vorne in eurer Abizeitung und ist eine Art persönliche Begrüßung für alle, die sie aufschlagen.
Es kann einen kurzen Rückblick auf eure gemeinsame Schulzeit geben, sich bei wichtigen Personen bedanken und natürlich erklären, was die Leserinnen und Leser auf den nächsten Seiten erwartet.
Dabei gibt es keine feste Vorgabe, wie euer Vorwort aussehen muss.
Es kann:
• emotional sein,
• lustig sein,
• eher kurz und locker bleiben,
• euer Abimotto aufgreifen
• oder verschiedene Elemente miteinander kombinieren.

Wer schreibt das Vorwort?
Häufig übernimmt das Abizeitungs- oder Abibuchkomitee das Vorwort.
Ihr könnt es aber auch von eurer Stufensprecherin oder eurem Stufensprecher, mehreren Personen aus dem Jahrgang oder gemeinsam als Redaktion verfassen lassen.
Daneben gibt es in vielen Abizeitungen weitere Grußworte – beispielsweise von:
• der Schulleitung,
• euren Stufenleitungen,
• Lehrerinnen und Lehrern,
• der Schülervertretung
• oder anderen Personen, die euren Jahrgang begleitet haben.
Diese Grußworte könnt ihr zusätzlich zum eigentlichen Vorwort abdrucken.

Wie lang sollte ein Vorwort sein?
Für das Vorwort gilt: Lieber eine gute Seite als drei Seiten, die niemand liest.
In den meisten Fällen reichen ungefähr 300 bis 500 Wörter vollkommen aus.
Ihr müsst schließlich nicht eure komplette Schulzeit chronologisch zusammenfassen. Dafür gibt es auf den nächsten Seiten noch genug Platz.
Konzentriert euch lieber auf einige Gedanken, die euren Jahrgang wirklich beschreiben.

Was gehört in das Vorwort?
Wenn ihr vor einem leeren Dokument sitzt und absolut keine Ahnung habt, wie ihr anfangen sollt, könnt ihr euch an einem einfachen Aufbau orientieren.


1. Begrüßung
Begrüßt zunächst die Menschen, die eure Abizeitung gerade in der Hand halten.
Das muss nicht zwingend mit:
„Liebe Leserinnen und Leser …“
beginnen.
Ihr könnt genauso gut direkt mit einer kleinen Geschichte, einem Insider oder einer Frage starten.

2. Ein kurzer Einblick
Wie haben eure gemeinsamen Schuljahre ausgesehen?
Ihr könnt beispielsweise auf besondere Ereignisse eingehen:
• Klassen- und Studienfahrten
• Distanzunterricht
• legendäre Klausuren
• gemeinsame Aktionen
• Lehrerwechsel
• Mottowoche
• Abistreich
• die letzten Wochen vor den Prüfungen
Versucht dabei nicht, jedes Ereignis aufzuzählen. Zwei oder drei konkrete Erinnerungen wirken meistens persönlicher als eine komplette Chronologie.

3. Euer Jahrgang
Was hat euch ausgezeichnet?
Vielleicht wart ihr besonders chaotisch. Vielleicht gab es bei euch ständig Diskussionen. Vielleicht seid ihr erst in der Oberstufe wirklich zusammengewachsen.
Ihr müsst euren Jahrgang dabei nicht künstlich als perfekte Gemeinschaft darstellen.
Ein Satz wie:
„Wir waren uns definitiv nicht immer einig – wahrscheinlich nicht einmal bei der Wahl unseres Abimottos.“
kann deutlich authentischer wirken.

4. Ein kleines Dankeschön
Hinter eurem Abitur stehen meistens ziemlich viele Menschen.
Ihr könnt euch beispielsweise bei euren Lehrkräften, Eltern, Familien, Freunden und allen bedanken, die bei der Organisation rund ums Abi geholfen haben.
Auch Sponsoren könnt ihr an dieser Stelle kurz erwähnen – sofern ihr dafür nicht ohnehin eine eigene Seite vorgesehen habt.

5. Der Blick nach vorne
Nach dem Abi gehen eure Wege auseinander.
Studium, Ausbildung, Reisen, FSJ oder erstmal überhaupt keinen Plan – genau dieser Übergang eignet sich gut für das Ende eures Vorworts.
Ihr könnt dabei emotional werden, ohne direkt einen Abschiedsroman daraus zu machen.

6. Überleitung zur Abizeitung
Zum Schluss könnt ihr eure Leserinnen und Leser auf die nächsten Seiten schicken.
Zum Beispiel:
„Bevor wir jetzt aber endgültig auseinandergehen, haben wir auf den nächsten Seiten noch einmal gesammelt, was von all dem auf keinen Fall verloren gehen darf.“
Und schon seid ihr mitten in eurer Abizeitung.

Euer Abimotto ins Vorwort einbauen
Wenn ihr ein gutes Abimotto habt, könnt ihr euer Vorwort auch darum aufbauen.
Bei einem Motto wie „Ab Vegas – um jeden Punkt gepokert“ könntet ihr beispielsweise mit dem Gedanken spielen, dass ihr euch durch Klausuren, Noten und Prüfungen „gepokert“ habt.
Bei einem Reisemotto kann eure Schulzeit als gemeinsame Reise erzählt werden.
Wichtig ist nur: Übertreibt es nicht.
Wenn in jedem zweiten Satz krampfhaft eine Anspielung auf euer Abimotto eingebaut wird, wirkt das schnell gezwungen. Ein kreativer Einstieg und ein passender Schlusssatz reichen häufig schon.

Was ihr lieber vermeiden solltet
Ein Vorwort darf emotional sein – sollte aber trotzdem nach euch klingen.
Vermeidet deshalb möglichst austauschbare Sätze wie:
„Ein bedeutender Lebensabschnitt neigt sich dem Ende zu.“
oder:
„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken wir auf eine unvergessliche Zeit zurück.“
Solche Formulierungen sind nicht grundsätzlich falsch. Sie könnten allerdings genauso gut in der Abizeitung von 500 anderen Schulen stehen.
Persönlicher wird es durch konkrete Situationen und kleine Insider.
Statt:
„Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt.“
lieber:
„Wir haben gemeinsam Studienfahrten überlebt, uns durch Klausurenphasen gekämpft und gelernt, dass man eine Präsentation offenbar tatsächlich am Morgen vorher fertigstellen kann.“

Lasst euer Vorwort nach euch klingen
Das perfekte Vorwort muss nicht besonders poetisch sein.
Es muss auch nicht so klingen, als hätte eine professionelle Redaktion wochenlang daran gearbeitet.
Wenn euer Jahrgang laut, chaotisch und ständig zu spät war, darf das im Vorwort vorkommen. Wenn eure gemeinsame Zeit von einem bestimmten Ereignis geprägt wurde, könnt ihr darüber schreiben. Und wenn es einen Insider gibt, den wirklich jeder versteht, kann genau der der perfekte Einstieg sein.
Denn genau wie der Rest eurer Abizeitung sollte auch das Vorwort vor allem eines sein:
persönlich.

Falls Ihr immernoch keinen Plan habt, haben wir hier mal ein paar Einstiege fürs Vorwort für euch, von denen ihr euch inspirieren lassen könnt.

Beispiel 1: Locker und persönlich
Irgendwann in der fünften Klasse saßen wir zum ersten Mal in diesen Klassenräumen. Damals waren Abiturientinnen und Abiturienten für uns ungefähr so erwachsen wie unsere Lehrer – und das Abi gefühlt noch ein halbes Leben entfernt.
Und jetzt sind plötzlich wir diejenigen, die ihre letzten Klausuren geschrieben, ihre Mottowoche geplant und zum letzten Mal auf den Gong gewartet haben.
Hinter uns liegen Jahre voller Unterricht, Klassenfahrten, Freistunden, Klausuren, Referate und wahrscheinlich viel zu vieler „Kommt das in der Klausur dran?“-Fragen. Wir waren dabei nicht immer einer Meinung und sicherlich auch nicht immer perfekt organisiert. Aber irgendwie haben wir es bis hierhin geschafft.
Diese Abizeitung soll deshalb nicht nur zeigen, wer welchen LK hatte oder welchen Beruf wir uns irgendwann einmal vorgestellt haben. Sie soll all die kleinen Geschichten festhalten, die unsere Schulzeit eigentlich ausgemacht haben: Insider, Bilder, Lehrersprüche und Momente, über die vermutlich nur wir lachen können.
Danke an alle, die uns auf dem Weg bis hierhin begleitet und unterstützt haben.
Und euch wünschen wir jetzt viel Spaß beim Lesen, Erinnern und Fremdschämen.


Beispiel 2: Etwas persönlicher
Wenn ihr diese Abizeitung gerade in den Händen haltet, ist etwas zu Ende gegangen, das für die meisten von uns über viele Jahre selbstverständlich war.
Jeden Morgen dieselben Flure. Dieselben Räume. Viele der gleichen Menschen. Stundenpläne, Pausengongs und die Frage, was es heute in der Cafeteria gibt.
Vieles davon werden wir wahrscheinlich erstmal nicht vermissen. Und trotzdem werden genau diese alltäglichen Dinge irgendwann zu den Erinnerungen gehören, die wir mit unserer Schulzeit verbinden.
Jetzt gehen unsere Wege auseinander. Einige von uns werden studieren, andere eine Ausbildung beginnen, reisen oder erstmal herausfinden, wohin es überhaupt gehen soll.
Bevor es soweit ist, möchten wir mit dieser Abizeitung aber noch einmal zurückblicken – auf unsere gemeinsame Zeit, auf die Menschen, die sie geprägt haben, und auf all die Geschichten, die zwischen Unterricht und Klausuren passiert sind.
Danke an alle, die Teil davon waren.
Auf das, was hinter uns liegt – und auf alles, was jetzt kommt.


Beispiel 3: Humorvoll
Wir möchten an dieser Stelle behaupten, diese Abizeitung sei das Ergebnis monatelanger strukturierter Planung, perfekt eingehaltener Deadlines und hervorragender Zusammenarbeit.
Das wäre allerdings gelogen.
Nach unzähligen Nachrichten à la „Schick bitte ENDLICH deinen Steckbrief“, verschwundenen Fotos, kurzfristigen Änderungen und der Erkenntnis, dass „Das machen wir später“ kein besonders gutes Organisationskonzept ist, haltet ihr sie jetzt tatsächlich in den Händen.
Unsere Abizeitung.
Auf den nächsten Seiten findet ihr alles, was von mehreren Jahren Schulzeit übrig geblieben ist: fragwürdige Bilder, legendäre Lehrersprüche, Steckbriefe, Insider und vermutlich einige Dinge, von denen wir in zehn Jahren behaupten werden, dass sie niemals passiert sind.
Danke an alle, die uns während unserer Schulzeit unterstützt, unterrichtet und gelegentlich auch ausgehalten haben.
Viel Spaß beim Lesen – und an alle Beteiligten: Wir entschuldigen uns vorsorglich.

Fazit: Der perfekte Start in eure Abizeitung
Ein gutes Vorwort begrüßt eure Leserinnen und Leser, blickt kurz auf eure gemeinsame Schulzeit zurück und macht Lust darauf, weiterzublättern.
Ihr braucht dafür keine komplizierten Formulierungen.
Ein persönlicher Einstieg, zwei oder drei typische Erinnerungen, ein ehrliches Dankeschön und ein kleiner Blick in die Zukunft reichen vollkommen aus.
Und falls ihr gerade seit einer Stunde vor dem ersten Satz sitzt: Schreibt erstmal auf, was euren Jahrgang wirklich ausgemacht hat.
Der perfekte Einstieg ergibt sich daraus meistens viel leichter als aus dem Versuch, besonders feierlich zu klingen.

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